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Geodäsie trifft Schule

„Vorsicht, unsere Messung hat Vorrang!“, „Zieh das Bandmaß gerade, das schlackert sonst so.“, „Hey, stell dich nicht mit dem Fuß auf das Bandmaß!“, „Uns fehlt noch Punkt 1.3, der befindet sich dort drüben.“ „Soll ich hierbleiben?“ So oder so ähnlich instruieren die Vermessungstechnikerin Jessica und die Vermessungstechniker Timo und Mark die Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse des Thusnelda-Gymnasiums auf dem Schulhof. Die Vermessungsingenieurin Annette Scholz-Villard koordiniert und begleitet dabei durch das interessante Programm. Herr Dr. Siemes vom Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster der Stadt Köln erklärt, wie das Projekt entstanden ist. „Meine Frau, die Lehrerin ist, und ich haben abends am Esstisch überlegt, wie man das Berufsbild der Vermessung den Schülerinnen und Schülern in Köln möglichst praxisnah näherbringen kann. Schnell war klar: wir müssen in die Schulen, wir müssen unterrichtsbegleitend das Potential des Berufs vorstellen.“ 10% der angeschriebenen Kölner Schulen haben das Programm sofort aufgegriffen und bisher ihr Interesse angemeldet. „Das Thusnelda-Gymnasium ist die erste Schule, an der wir das Projekt Wirklichkeit werden lassen.“ ergänzt der Abteilungsleiter der städtischen Vermessungsabteilung stolz. Für Herrn Szymkowiak, Schulleiter des Thusnelda-Gymnasiums, war es eine Selbstverständlichkeit das Pilotprojekt an das Thusnelda- Gymnasium zu holen. „Es ist toll, das unsere Schülerinnen und Schüler einen praktischen Bezug zwischen Mathematik und Alltagsleben kennenlernen können.“ Außerdem betont er die fächerübergreifende Arbeit des Projekts, die von Frau Kretzschmar von der Erdkundefachschaft, und Frau Hennen, die die Mathematikfachschaft vertritt, unterstützt wird.

 

An vier Arbeitsstationen erweitern die Schülerinnen und Schüler ihre Kenntnisse im Bereich Vermessung. Es ist sonnig aber kalt, deshalb sind alle froh, schnell wieder ins Warme zu kommen. Dennoch ist das Interesse groß, Winkel mit dem analog funktionierenden Theodoliten zu messen, ein modernes Tachymeter auszuprobieren oder mit einem GNSS-Empfänger zentimetergenau die Koordinaten der mit Vermessungsnägeln - auch Abmarkungen genannt - definierten Punkte auf dem Schulhof zu ermitteln. Die Streckenlängen lassen sich mit diesen ermittelten Koordinaten sehr genau ermitteln. Mark Oster erklärt, dass der GNSS-Empfänger auf alle verfügbaren Vermessungssatelliten für die Berechnung der Koordinaten von Punkten zurückgreift. Auch die europäischen Galileo-Satelliten werden bereits für die Vermessungsergebnisse auf dem Schulhof benutzt und verbessern die gemessenen Ergebnisse nachhaltig. Reine GPS-Empfänger hingegen wählen nur amerikanische Satelliten aus. Eine Kontrolle ermitteln die Schülerinnen und Schüler durch eine unabhängige Messung von verbindenden Strecken mit dem Bandmaß. An allen vier Arbeitsstationen auf dem Schulhof verweilen die jungen Vermesserinnen und Vermesser etwa 15 Minuten zur Lösung ihrer Messaufgaben. Das reicht nicht für eine katastergenaue Messung aus, denn dafür würden mehr Messungen als auch mehr Zeit pro Punkt benötigt. Die Ergebnisse sind aber sicherlich schon genauer als die Messungen mit dem Smartphone, mit dem nur eine Messungenauigkeit von etwa vier Metern je Punkt entsteht.

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Das Projekt „Geodäsie trifft Schule“ wird anschließend im Schulgebäude fortgesetzt, denn die Schülerinnen und Schüler stellen dort an PC und Taschenrechner basierend auf den Messergebnissen weitere Berechnungen an.

Am Ende zweier intensiver Tage wünscht sich Frau Scholz-Villard, dass die Ergebnisse auch im Unterricht verwendet werden. „Dieses Projekt werden wir in Zukunft regelmäßig für unsere Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe neun anbieten“, kündigt Herr Szymkowiak an. Im Gegenzug wünschen sich einige Schülerinnen und Schüler, dass sie die Möglichkeit erhalten ein Berufspraktikum beim Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster machen zu können.

Fotos und Text: Koch